Thüringen

Seebach

…ist ein ehemals kleines Kuhdorf mit 900 Einwohnern in einem Tal. Eine Strasse führte am Berg vorbei. Ende der 60er Jahre wurde die Umgestaltung zu einem „sozialistischen Dorf“ begonnen. Eine neue Strasse wurde durchgeführt, eine große Fabrik vor den Wartberg gesetzt und Wohnblöcke für die Beschäftigten und ihre Familien zwischen die kleinen Häuser gesetzt. Einwohnerzahl stieg auf ca. 3.500 plötzlich.

(Den Artikel aus der „Architektur der DDR“ muss ich mal finden)

Meine Eltern sind mit mir und meiner Schwester aus Gotha in eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung mit 52 qm gezogen. Küche mit Durchreiche und innenliegenden Bad und Balkon.

Der Balkon war im Süden. Ungefähr 20 Familien hätten mir beim Sonnen zuschauen können, wenn ich mich dort in die Sonne gelegt hätte, wenn sie geschienen hätte und bis sie hinter dem Querblock verschwand.

Das Foto habe ich 1971 aus meinem Kinderzimmerfenster gemacht. In dem Hof unter mir lagerte das Material von Nebengebäuden, auf dessen Grundfläche jetzt unser 80 m lange Fünfgeschosser stand. Ich konnte gemütlich von meiner Fensterbank beobachten, wie der Mann aus dem Haus seine Karnickel fütterte und in seinem Garten arbeitete.

Auf dem Berg gegenüber bin ich im Winter mit Schlitten oder Skiern gefahren. In einem Sommer saß dort öfters eine Malerin und hat einen Gesamtblick auf das Dorf mit den Neubaublöcken gemalt. Das Bild hing dann in der Bibliothek. Wo ist es jetzt?

Die Malerin Veronika Wagner (VW) ist mit ihren vielen Bildern nach über 50 Jahren von Berlin in das Haus ihrer Familie zurück und hat es zu ihrem neuen zu Hause gemacht. Von ihrer Miniveranda hat sie auch einen schönen unverstellten Blick mit der Scheune, die auch auf meinem Foto zu sehen ist.

Meine Schulfreundin ist auch eine der wenigen Ureinwohner von Seebach. Ihr Garten lag früher am Dorfrand und nun führt eine Bundesstrasse direkt am Gartentor vorbei. Der Blick auf den Wartberg ist durch das Fabrikgebäude mit einem leuchtend grünen Schriftzug „DECKEL-MAHO“ verstellt.

Im Garten meiner Schulfreundin war es trotzdem sehr gemütlich und lustig. Um 23 Uhr leuchtete die Schrift nicht mehr und es fuhren keine Autos. Ihr Sohn aus Erfurt war mit seinen 3 Kindern da. Er fühlt sich in Seebach zu Hause und arbeitet in Erfurt. Am nächsten Tag musste er arbeiten. Ach, fährt er dann nach Erfurt? Nein, er macht Homeoffice, in Seebach, da wo er geboren wurde und groß geworden ist und das Haus seiner Vorfahren ist. Von seinen Schulfreunden aus den Blöcken ist kaum einer noch da und kommt auch nicht mit den Kindern in den Ferien.

Der Weg von dem meine Freundin als Kind in den Wald konnte, ist auch schon lange durch die Maschinenfabrik versperrt. Das stellten wir auch fest, als wir vom Klubhaus mal kurz eine Runde laufen wollten. Der Weg über die Blumenwiese hinter dem Werk am Waldrand wurde uns mit der Zeit in der Sonne doch zu lang, wir fanden keinen Durchgang ins Dorf. In einem kleinen Waldstück suhlten sich Wildschweine. Irgendwann kamen wir auf die Zufahrt zum Werkseingang zu dem angeblich 600 Beschäftigte von außerhalb anfahren und wieder weg fahren. Zu dem Zeitpunkt war es sehr ruhig, wegen Kurzarbeit und Betriebsferien. Wir hofften, daß dies für uns keine Sackgasse ist und es eine Verbindung zum Dorf gibt. Wir fanden dann auch noch einen offensichtlich wenig begangenen Pfad.

Als wir die fehlende Wegebeziehung vom Dorf in den Wald in einer Unterhaltung bemerkten, fragte der Besuch aus der Großstadt, wozu denn jemand aus dem Dorf in den Wald sollte, ist doch nicht nötig. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass die Wildschweine nicht ins Dorf kommen.

Wie geht es weiter mit Seebach? Es gibt Studenten von der Uni in Weimar, die Studien machen. Von einem Mehrgenerationshaus ist die Rede. Ein Planungsbüro in Weimar ist mit Konzeptentwicklungen beauftragt. Was ist mit der alten Uhrenfabrik? Mirko erzählte von Ideen zu einem Kunstraum. Na das wäre doch vielleicht auch was für VW (Veronika Wagner). Es gibt keine Gaststätte, keinen Treffpunkt. Der ehemalige Zentrale Platz zwischen Schule, Turnhalle und „Kinderkombination“ mit untermauertem Dienstleistungszentrum und der alten Dorfkirche mit Blickachse zum Werktor, einer Skulptur und einer Blumenuhr ist jetzt ein Parkplatz.

Die Sparkasse zu der ich mein erspartes Taschengeld trug, war davor ein Bäcker und wurde inzwischen denkmalgerecht saniert und ist jetzt eine „Heimatstuben“. Dort werden alte Alltagsgegenstände und die Geschichte von Seebach gezeigt. Die alte Singernähmaschine von meiner Oma aus Gablonz steht da auch.

Das Haus meiner Großeltern in Jablonec (Gablonz). Heute steht ein Wohnblock drauf.

Gegenüber haben „Zugezogene“ ein altes Fachwerkhaus umgesetzt und einen Bauerngarten angelegt. An der alten Dorfstrasse vor den alten Häusern sind „Gärten des Grauens“ mit Schotter zu sehen. An einigen Hängen am Dorfrand pflegen die Leute aus den Blöcken ihre Kleingärten. Für bauwillige junge Familien gibt es keine Grundstücke.

Im ehemaligen Fleischerladen steht jetzt ein Dönerspieß. Vielleicht kommt ja noch ein Zugezogener oder Rückkehrer und eröffnet eine Gaststätte. So wie in Ummerstadt.

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Thüringen

Ummerstadt

…ist nicht etwa die Hauptstadt von Lummerland. In einem hintersten Zipfel und drei Seiten von Grenze umschlossen, lag vor über 30 Jahren Ummerstadt. Heute liegt es mitten in Deutschland. Letzte Woche haben wir es auf einer Tour durch Südthüringen besucht.

Der alte Gebäudebestand an Fachwerkhäusern ist zum größten Teil saniert.

In den Seitengassen stehen noch unsanierte Gebäude.

Michael Stoll ist Küchenchef und Inhaber der Bürgergastronomie. In seinem Café bekamen wir leckere Gemüsesuppe, selbst gebackenen Kuchen und Limonade. Er erzählte uns von seinem neuen Leben in Ummerstadt nach vielen Jahren in Großstädten und anderen Ländern und dem wachsenden Tourismus in der kleinen Stadt und seinen geplanten und laufenden Projekten http://www.buergergastronomie.de

Er musste noch zu einem Pressetermin. Am 16.August sendet der Bayerische Rundfunk einen Beitrag über Ummerstadt.

Die Bank ist eventuell inspiriert von den Skulpturen von Niki de Saint Phalle. Die beiden Herren im Hintergrund kamen aus Hessen zu Besuch und erkundeten Thüringen. Sie stellten uns viele Fragen zum Leben in der DDR, wofür sie sich nach eigener Aussage nie interessierten, als es sie noch gab. Das merkte man auch.

Für unsere nächste Station Coburg empfahlen sie uns unbedingt den Verzehr einer Rostbratwurst auf dem Marktplatz. Als wir halb 6 dort ankamen und uns auch an dem Bratwurststand anstellten, waren leider die Würste auf dem Holzkohlegrill ausverkauft. Der Grillmeister hatte auch keine Lust mehr, noch welche für die neuen zahlreichen Kunden in der Schlange aufzulegen. Na gut, dann gehen wir halt in das nächste Café. Auch dort konnten unsere Bestellungen nicht mehr aufgenommen werden, weil die Kaffeemaschine schon gesäubert wurde und die Bedienung auch „mal Feierabend haben will“. Schlechte Gastronomie und unmotiviertes Personal kennen wir zwar, haben es in Thüringen aber lange nicht mehr erlebt. Mir fielen die kritischen Anmerkungen von Besuchern aus anderen Bundesländern ein, die den Eindruck hatten, dass die Marktwirtschaft hier noch nicht angekommen wäre, sie den Eindruck hätten hier wollen die Hotels und Gaststätten keinen Umsatz machen und der oft gehörte Satz „die müssen noch viel lernen“.

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Yoga

Yoga in der Hängematte

Schon mal von Aerial Yoga gehört? Bilder die im Internet kursieren haben mich zum Tag der Hängematte am 22.Juli 2020 zu ein paar Nachahmversuchen animiert.

Auf unserem Spielplatz habe ich eine Schaukel konfisziert und meine Hängematte befestigt. Schließlich kann man eine Schaukel auch zu zweit nutzen.

Schneidersitz geht auch in der Hängematte

Fast wie Fliegen

Baum ohne Wurzeln? Also Hängepflanze?

Kopfstand ist so auch viel leichter

Ich stelle fest, die weltbeste Hängematte von bambushuette ist eine Alternative zum Aerialtuch für erste Versuche in Luftyoga.

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Allgemein, Weimar

Schöne Aussichten

In den letzten Wochen fanden viele gewohnte Veranstaltungen virtuell statt oder fielen komplett aus. Über Besprechungen in Videokonferenzen war ich nicht traurig, ich sparte die Anreise und konnte auch unsichtbar für die anderen Teilnehmer an meinem Pullover weiter stricken. Auf die digitalen Angebote zur Fete de la Musique habe ich verzichtet. In der Lessingstrasse ist auch niemand dem Aufruf gefolgt und vor das Haus getreten und hat gesungen. Leider konnte ich auch keine Musiker finden und motivieren die gerne auf unserer Wiese aufspielen wollten. Ich hätte ihnen gerne ein Scheinchen in den Hut geworfen. Das Angebot an Webinaren war eine sinnvolle Alternative zu kostenintensiven Seminaren mit langer Anreise. Panoramabilder und Videos von Drohnenflügen sind auch reichhaltig im Netz zu finden.

Trotzdem ist zur Zeit der „City Skyliner“ in Weimar neben dem „Dicken“ unserem guten alten Kasseturm aufgebaut. Leider konnte ein Virus den Aufbau nur verschieben und nicht verhindern. Bei einem Kaltgetränk im Liegestuhl stört nun eine riesige drehbare Plattform den Blick in die Wolken. Darauf hätte ich auch noch gut verzichten können. Nach Dresden, Wien und Stockholm bleibt er für drei Monate in unserer Thüringer Kleinstadt und zieht dann weiter nach Innsbruck. Aus einer Besucherkabine in 70 m Höhe könnte ich mit Mundschutz auf einer blauen gepolsterten Bank sitzend auf die Stadt schauen. Sehe ich dann mehr als vom Turm der Jakobskirche oder von der Terrasse des Goethe-Schiller-Archiv? Wenn nicht der Ettersberg im Norden, Belvedere im Süden und der Webicht im Osten wären, könnte man 29 km weit schauen bei guter Sicht. Im Westen könnte eventuell Erfurt sichtbar sein. Dafür lohnt sich der Eintrittspreis von 8 Euro nicht.

Die neue Skyline von Weimar

Vom Riesenrad auf dem Rollplatz habe ich in den letzten Jahren für 2,50 Euro schon alles gesehen, was es von dem Punkt aus zu sehen gibt.

Blick vom Riesenrad
Blick vom Turm der Jakobskirche

Auf unserer letzten Radtour nach Ottstedt konnten wir beim Picknick auf einer Blumenwiese über Erfurt drüberweg bis zum Inselsberg schauen. Das sind ungefähr 60 km Luftlinie. Was will man mehr?

Vom Glockenturm auf dem Ettersberg ist ganz Weimar in seiner Tallage und die umliegenden Höhen sichtbar.

Gegenüber auf dem Hainberg im Süden von Weimar steht der Hainturm. Der Aussichtsturm wurde auf Veranlassung der Großherzogin Maria Palowna 1830 gebaut. Die Hainturmgesellschaft hat sich in den letzten Jahren für den Erhalt und die Wiedernutzbarmachung des Turmes eingesetzt. Inzwischen ist wieder eine Treppe und ein Ausstieg gebaut. Jetzt fehlt nur noch Geld für die Montage einer Absturzsicherung und dann kann der Turm hoffentlich bald wieder bestiegen werden. Über die Geschichte und Spendenmöglichkeiten gibt es Informationen auf www.hainturm-weimar.de

Eine Wanderung über Belvedere an der Pfeifferquelle vorbei zum „Rapunzelturm“ lohnt sich trotzdem jetzt schon.

Heute am 10.Juli in der TLZ
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Deutschland

Fliegen kann nicht schöner sein

Die Lufthansa muss tausende Stellen abbauen. Ganz offensichtlich wurden bereits die ersten Flugbegleiter als Zugbegleiter von der db übernommen. Die heutige Durchsage ging ungefähr so:

„Sehr geehrte Fahrgäste, ich begrüße Sie ganz herzlich an Bord des ICE 691. Für die Fahrgäste die den nachfolgenden ICE 707 nach München nutzen wollten, machen wir einen außerplanmäßigen Halt in Bitterfeld und sie können dort in Ihren ICE 707 umsteigen….“

Dumm ist nur, dass nur die überpünktlichen Fahrgäste hier an Bord sind. Die meisten Fahrgäste dürften jetzt erst auf den Bahnsteig kommen und erfahren, dass Ihr Zug ausfällt und in den bereits abgefahrenen Ersatzzug nicht mehr einsteigen können. Trotzdem, der Zugbegleiter bleibt extrem gut gelaunt:

„…somit ist die Welt doch in Ordnung. Weiterhin möchten wir darauf hinweisen, dass Sie im Gegensatz zu einem Flug, Ihre elektronischen Geräte während der Fahrt nicht ausschalten müssen. Bitte schalten Sie Ihre Geräte ein und nutzen den Komfort-Checkin. Dadurch werden Sie von unserem Zugpersonal nicht belästigt und können die Zeit für andere Dinge nutzen. – Im Falle eines unwahrscheinlichen Druckverlustes kommen keine Sauerstoffmasken von der Decke. Dafür stehen Ihnen 40 Notausgänge zur Verfügung. Benutzen Sie Ihre modischen Gesichtaccesoires. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Fahrt.“

Den Namen des Lokführers hat er leider nicht durchgegeben.

In Bitterfeld: „Sehr geehrte Fahrgäste, wir wissen, die Wahrheit tut manchmal weh. Der ICE 707 hat leider eine Verspätung von 54 Minuten. Fahrgäste nach München steigen bitte nicht in Bitterfeld aus, sondern fahren mit uns bis Erfurt mit und steigen dort um. Dort gibt es sowieso die besseren Einkaufsmöglichkeiten.“

In Leipzig: „Hier die neuesten Nachrichten aus Leipzig, unser Lokführer nähert sich der Weltstadt Leipzig und hat sie fast gefunden. Hier findet ein Personalwechsel statt. Das Zugbegleiterteam verabschiedet sich von Ihnen. Wir bedanken uns bei Ihnen, Sie waren sehr nette Passagiere. Wir wünschen Ihnen noch einen angenehmen Donnerstagnachmittag. Tschüssi! Alles Jute! So und nun darf auch mal geklatscht werden.“

Hier im letzten Wagen im Ruhebereich gab es keinen Applaus, nur leichtes Schmunzeln hinter dem modischen Gesichtsaccessoire.

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Grüner Wohnen

Momentversagen

Heute kam auf One das Filmdrama „Momentversagen“. Ich hatte den Film schon vor drei Jahren gesehen. Die Handlung ist sehr spannend und die beiden Hauptdarsteller sehe ich auch sehr gern. Lisa Wagner gefiel mir zum ersten Mal in der Serie Weissensee. Felix Klare ist den meisten als Tatortkommissar bekannt. Aber die absolute Hauptrolle spielt für mich das Haus, in dem die beiden als Ehepaar leben. Seitdem suche ich Bauherren, für die ich ein ähnliches Haus planen darf, natürlich angepasst an den Ort und die Wünsche und das Budget der Familie.

Durch aufwendige Recherchen habe ich das Haus zunächst bei http://www.zmh.com als Zimmermeisterhaus gefunden. In der Zeit erstellte ich grad für die „Kantenhocker“ nach Vorgaben des Bauherren und meines Chefs den Bauantrag (Tag 30 – Haus am See). Am Tag 30 hatte ich mir die gebaute Realität angesehen. Die „Villen am Jungfernsee“zum Schnäppchenpreis von 1.590.000 Euro sind tatsächlich so scheußlich geworden, wie ich sie mir vorgestellt habe. Eine geeignete Location für einen schlechten deutschen Krimi, Szenerie für einen Supermann, Leiter eines Büros oder Agentur in Berlin-Mitte. Er fährt mit seinem SUV vor, kommt zur Tür herein, die Frau steht in der Designerküche, bereitet grad ein grünes Smoothie. Sie ruft: „Schatz mach schnell die Tür zu, es zieht sonst durch das ganze Haus!“ Die kleinen Kinder haben sich grad beim Essen so richtig eingesaut, sie müssen hoch ins Bad und schmieren die Glaswand an der Treppe ein, der Vater schreit „Finger weg!“. Die Kinder erschrecken, versuchen den Handlauf zu greifen, verschmieren dabei den Sichtbeton…das Drama nimmt seinen Lauf. Das nur nebenbei

Friede, Freude, Eierkuchen herrscht in „Momentversagen“ auch nicht im Haus vom Staatsanwalt der seiner im dritten Monat schwangeren Frau seinen Seitensprung gesteht und nun erpresst wird, weil er eventuell einen Junkie nachts im Park umgebracht hat, obwohl er doch nur eine Frau vor ihrem Peiniger schützen wollte. Aber das Haus sieht immer gut aus dabei, bei der Vorfahrt mit dem Mini, als die Frau von ihrem Job als Stewardess zur Tür herein kommt, während dem Essen, beim Klamotten durchwühlen im Schrankraum, während der Gespräche im Schlafzimmer mit Dachterrasse, an dem leichten minimalistischen Treppengeländer und in dem Moment als er sich mal Luft machen muss und dabei die chicen Velfac-Fenster nach aussen öffnet.

Ich hätte noch eine Szene ins Drehbuch geschrieben in meinem Traumbad mit der Badewanne vor dem Fenster. Sie hätte in der Wanne liegen und dabei nachdenklich aus dem Fenster schauen können. Es gab leider nur eine Szene in der sie auf dem WC sitzt und er in den Spiegel über dem Doppelwaschtisch schaut.

Gibt es einen Filmpreis für das schönste Haus? Dafür würde ich das Haus unbedingt nominieren.

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Deutschland

Thüringer auf den Sachsensteinen

Im Elbsandsteingebirge kann man auf seinen Expeditionen versteckt unter großen Felsplatten noch junge Felsen entdecken.

Manche sind schon zu großen mächtigen Felsgruppen gewachsen.

In der Dunkelheit und etwas abgeschieden leben alte vermooste Felsen. Junge Bäume saugen ihnen die letzte Lebenskraft aus.

Davon haben sich jedoch einige wieder separiert oder wurden von der Gruppe ausgestoßen. Vielleicht haben sie auch schon ihr ganzes Leben als Single verbracht. Man weiß es nicht, sie reden ja nicht drüber.

Von den Menschen insbesondere den Sachsen, werden sie jedoch am meisten geliebt und bestiegen. Teilweise wurden Leitern angebracht, damit sie auch von Thüringern gestreichelt werden können.

Auf dem Sachsenstein kann das erste Plateau über diese hohe Leiter erreicht werden.

Wer bis dahin schwindelfrei und ohne Panik gekommen ist, schafft auch den Umstieg auf die nächsten kurzen Leiterabschnitte.

Bei Gegenverkehr lässt es sich auf einem Zwischenpodest verweilen. Wenn grad Familien mit ganz kleinen Kindern runterklettern, müssen sich unter Umständen auch Menschen gemeinsam die Zeit vertreiben, die nicht zum gleichen Hausstand gehören, sieht ja keiner.

Es ist ratsam, nicht nach unten zu schauen und Kinder gut festzuhalten.

Immer schön festhalten, ausharren und nach oben schauen. Die schlechte Nachricht: Es wird oben noch enger. Aber die gute Nachricht: bestehende Abstände bleiben erhalten, so schnell schieben sich die Felsen nicht auseinander oder zusammen.

Irgendwann ist die nächste Leiter frei. Falls der Vordermann oder die Vorderfrau nicht so leicht durch die Öffnung kommt, sollten die davor steigenden etwas ziehen, damit sie gut durchflutschen. Von unten schieben, geht ganz schlecht.

Yippie, wir sind alle alleine durchgekommen. Schnell ein Gipfelfoto und dann wieder runter. Die nächsten kommen schon. So viel Platz ist nicht auf dem Felsplateau.

Das Absteigen ist bekanntlich immer schwieriger, aber es gibt kein zurück. Fliegen wäre schöner, aber wenn man es nicht gelernt hat, ist das keine Option.

Glücklich und zufrieden wanderten wir weiter. An der nächsten Gasstätte werden wir bereits erwartet. Das Essen war vorbestellt. Die sehr nette Tschechin brauchte nur noch die Getränkebestellung aufnehmen. Sprachverständigung war schwierig, das lag an der Maske. Der charmante Akzent kam trotzdem durch.

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Nora Tschirner, Tatort Weimar, Weimar

Mein erstes Mal im Autokino

Eigentlich wollte ich nie in ein Autokino. Was für ein Schwachsinn! Autokino in der Innenstadt, in einem Arial für künftige Bewohner die zu 80% keinen eigenen PKW haben sondern Fahrräder in allen Varianten benutzen. Aber der neue Weimar-Tatort läuft mit Videoschaltung zu Nora Tschirner und Lupo und der Regisseurin und ich habe kein Auto. Gibt es für diesen Fall bereits irgendwo eine Mitsitzgelegenheit?

Christian hat mir sein Auto angeboten. Okay, es war ja ganz lustig zu zweit mit Knabbergebäck, Füße hoch, Quatschen ohne jemand zu stören, Getränkebestellung per Telefon, Applaus mit Lichthupe…

Trotzdem werde ich mich nie wieder dazu verführen lassen. Ich hoffe, dass bald andere Veranstaltungen zugelassen werden, im Strandkorb, mit Sofa…

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Deutschland

Pfingsten in Sachsen

SACHSEN SONGTEXT

von Rainald Grebe

Kennst du das Land mit den Pelikanen?
Kennst du das Land mit den Lianen?
Kennst du das Land, wo die Datteln wachsen?

Kennst du das Land mit den Pinienkernen?
Du kennst es nicht, du wirst es kennenlernen
Wo die krossen Mädchen auf den Palmen wachsen

Kennst du das Land? Es liegt im Süden
Von Lappland – und Schweden
Wo Finnen, Färöer und Grönen
Sich verwöhnen und relaxen?

Das ist Sachsen

Das Klima kennt Gewinner und Verlierer
Das steht – in meinem Reiseführer
Der Freistaat Sachsen kann sich glücklich schätzen
Gemütlichkeit unter Moskitonetzen

Das ist Sachsen

…und relaxen

Sachsen schätzen auch die Gemütlichkeit in Hängematten. So vermeidet man auch den Kontakt zur gefährlichen sächsischen Steissbeinbeissspinne, die gerne unter den Brettern von Bänken auf warme menschliche Körperteile lauert.

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Weimar

Eine neue Zeit – Spanische Grippe

Vor zwei Jahren habe ich als Komparse bei den Dreharbeiten zur Fernsehserie „Eine neue Zeit“ mitgemacht. Die 6 Teile handeln über die Gründerjahre des Staatlichen Bauhaus in Weimar. In den Hauptrollen fungieren August Diehl als Walter Gropius und Anna Maria Mühe als Kunststudentin Dörte Helm.

Tage vor Drehbeginn wurden wir zum Fitting eingeladen. Eigentlich sollte ich „Bürgerin in einem Café“ sein. Leider waren meine Haare 3 cm zu kurz für eine Steckfrisur und Locken. Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht kurz vorher die Haare schneiden lassen. Ansonsten hätte ich auch so eine tolle Frisur bekommen, wie die Bürgerinnen auf dem Marktplatz.

Vielleicht hätte mich sogar die Maskenbildnerin zu einer „Feinen Dame“ verwandelt, aber eventuell auch zu einer bornierten Beamtengattin oder so. Aber bekam ich nur eine Rolle als „Arbeiterin“ mit Kopftuch ohne Maske. Meine Komparsenkumpeline Christina musste für Ihre Locken dafür schon früh halb 5 in die Maske. Sie hatte zwar eine schöne Frisur aber einen sehr schmuddeligen Rock. Der wurde vor Drehbeginn vom Kostümbildner noch künstlich eingedreckt. Der ganze Aufwand war umsonst, sie war nicht einmal im Bild. Nach einigen Stunden rumstehen in der Kälte entwickelten, die ersten ihre Bedürfnisse. Der Wunsch nach Wärme konnte durch bunte Vliesdecken erfüllt werden, die schnell wieder aus dem Bild mussten, bevor die Klappe fällt. Manchen tat schon der Rücken weh, Sitzgelegenheiten gab es nur für die richtigen Schauspieler. Als wir Komparsen uns auf den Rand vom Neptunbrunnen setzten, haben uns die Kostümbildner aber ganz schnell wieder aufstehen lassen, damit der alte Mantel nicht kaputt geht. Beate vermisste ganz doll ihren Kajalstift, ich vermisste ihn nicht an ihr.

Ich war beim Trauerzug im März 1920 dabei. Verfolgt von Feininger und Gropius.

Bei der Kundgebung gegen das Bauhaus 3 Jahre später hatte ich immer noch das gleiche olle Kopftuch und den gleichen grauen fusseligen Schal, so eine arme Arbeiterin war ich. Gropius ist wieder hinter mir.

Für die nächsten Szenen bekam Christina einen Mantel. Wir bekamen beide einen Hut und schon waren wir „Fake-Bürger“. Wir wurden so in Menschenmengen gestellt, dass unsere alten Arbeiterschuhe nicht gesehen wurden, nur die Hüte. Aber auch diese Szene vor dem Marstall wurde nicht verwendet.

Die Kostüme waren Original aus den 20er Jahren, sagte die Kostümbildnerin, damit wir uns gut in die Zeit zurück versetzen konnten. Der Regisseur hat uns dazu noch einen Einblick in die Handlung und die damalige Zeit gegeben. Wir nahmen am Trauerzug der Märzgefallenen teil. Auf der Kundgebung mussten wir gegen die „farbenklecksenden dahergelaufenen Ausländer am Bauhaus“ protestieren und uns empören, weil wir das alles bezahlen müssen. Aber die Deutsche Volkspartei verspricht, dem Bauhaus den Geldhahn zuzudrehen. Dafür mussten wir ganz laut schreien „Deutsche Volkspartei Deutsche Volkspartei ….“. Wir versuchten den Pegidastil nachzuahmen. Das war ein schauspielerische Höchstleistung für uns, die ja das Bauhaus lieben und verehren.

1918 in England – Liefen in Weimar auch alle mit Maske rum ?

Eigentlich war es auch noch die Zeit kurz nach der spanischen Grippe. Es gab 300.000 Tote in Deutschland. Ich habe noch nie etwas über die Zahl der Infizierten in Weimar gehört oder Bilder mit Leuten mit Mundschutz gesehen. War Weimar nicht betroffen?

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