Deutschland

Fliegen kann nicht schöner sein

Die Lufthansa muss tausende Stellen abbauen. Ganz offensichtlich wurden bereits die ersten Flugbegleiter als Zugbegleiter von der db übernommen. Die heutige Durchsage ging ungefähr so:

„Sehr geehrte Fahrgäste, ich begrüße Sie ganz herzlich an Bord des ICE 691. Für die Fahrgäste die den nachfolgenden ICE 707 nach München nutzen wollten, machen wir einen außerplanmäßigen Halt in Bitterfeld und sie können dort in Ihren ICE 707 umsteigen….“

Dumm ist nur, dass nur die überpünktlichen Fahrgäste hier an Bord sind. Die meisten Fahrgäste dürften jetzt erst auf den Bahnsteig kommen und erfahren, dass Ihr Zug ausfällt und in den bereits abgefahrenen Ersatzzug nicht mehr einsteigen können. Trotzdem, der Zugbegleiter bleibt extrem gut gelaunt:

„…somit ist die Welt doch in Ordnung. Weiterhin möchten wir darauf hinweisen, dass Sie im Gegensatz zu einem Flug, Ihre elektronischen Geräte während der Fahrt nicht ausschalten müssen. Bitte schalten Sie Ihre Geräte ein und nutzen den Komfort-Checkin. Dadurch werden Sie von unserem Zugpersonal nicht belästigt und können die Zeit für andere Dinge nutzen. – Im Falle eines unwahrscheinlichen Druckverlustes kommen keine Sauerstoffmasken von der Decke. Dafür stehen Ihnen 40 Notausgänge zur Verfügung. Benutzen Sie Ihre modischen Gesichtaccesoires. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Fahrt.“

Den Namen des Lokführers hat er leider nicht durchgegeben.

In Bitterfeld: „Sehr geehrte Fahrgäste, wir wissen, die Wahrheit tut manchmal weh. Der ICE 707 hat leider eine Verspätung von 54 Minuten. Fahrgäste nach München steigen bitte nicht in Bitterfeld aus, sondern fahren mit uns bis Erfurt mit und steigen dort um. Dort gibt es sowieso die besseren Einkaufsmöglichkeiten.“

In Leipzig: „Hier die neuesten Nachrichten aus Leipzig, unser Lokführer nähert sich der Weltstadt Leipzig und hat sie fast gefunden. Hier findet ein Personalwechsel statt. Das Zugbegleiterteam verabschiedet sich von Ihnen. Wir bedanken uns bei Ihnen, Sie waren sehr nette Passagiere. Wir wünschen Ihnen noch einen angenehmen Donnerstagnachmittag. Tschüssi! Alles Jute! So und nun darf auch mal geklatscht werden.“

Hier im letzten Wagen im Ruhebereich gab es keinen Applaus, nur leichtes Schmunzeln hinter dem modischen Gesichtsaccessoire.

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Thüringer auf den Sachsensteinen

Im Elbsandsteingebirge kann man auf seinen Expeditionen versteckt unter großen Felsplatten noch junge Felsen entdecken.

Manche sind schon zu großen mächtigen Felsgruppen gewachsen.

In der Dunkelheit und etwas abgeschieden leben alte vermooste Felsen. Junge Bäume saugen ihnen die letzte Lebenskraft aus.

Davon haben sich jedoch einige wieder separiert oder wurden von der Gruppe ausgestoßen. Vielleicht haben sie auch schon ihr ganzes Leben als Single verbracht. Man weiß es nicht, sie reden ja nicht drüber.

Von den Menschen insbesondere den Sachsen, werden sie jedoch am meisten geliebt und bestiegen. Teilweise wurden Leitern angebracht, damit sie auch von Thüringern gestreichelt werden können.

Auf dem Sachsenstein kann das erste Plateau über diese hohe Leiter erreicht werden.

Wer bis dahin schwindelfrei und ohne Panik gekommen ist, schafft auch den Umstieg auf die nächsten kurzen Leiterabschnitte.

Bei Gegenverkehr lässt es sich auf einem Zwischenpodest verweilen. Wenn grad Familien mit ganz kleinen Kindern runterklettern, müssen sich unter Umständen auch Menschen gemeinsam die Zeit vertreiben, die nicht zum gleichen Hausstand gehören, sieht ja keiner.

Es ist ratsam, nicht nach unten zu schauen und Kinder gut festzuhalten.

Immer schön festhalten, ausharren und nach oben schauen. Die schlechte Nachricht: Es wird oben noch enger. Aber die gute Nachricht: bestehende Abstände bleiben erhalten, so schnell schieben sich die Felsen nicht auseinander oder zusammen.

Irgendwann ist die nächste Leiter frei. Falls der Vordermann oder die Vorderfrau nicht so leicht durch die Öffnung kommt, sollten die davor steigenden etwas ziehen, damit sie gut durchflutschen. Von unten schieben, geht ganz schlecht.

Yippie, wir sind alle alleine durchgekommen. Schnell ein Gipfelfoto und dann wieder runter. Die nächsten kommen schon. So viel Platz ist nicht auf dem Felsplateau.

Das Absteigen ist bekanntlich immer schwieriger, aber es gibt kein zurück. Fliegen wäre schöner, aber wenn man es nicht gelernt hat, ist das keine Option.

Glücklich und zufrieden wanderten wir weiter. An der nächsten Gasstätte werden wir bereits erwartet. Das Essen war vorbestellt. Die sehr nette Tschechin brauchte nur noch die Getränkebestellung aufnehmen. Sprachverständigung war schwierig, das lag an der Maske. Der charmante Akzent kam trotzdem durch.

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Pfingsten in Sachsen

SACHSEN SONGTEXT

von Rainald Grebe

Kennst du das Land mit den Pelikanen?
Kennst du das Land mit den Lianen?
Kennst du das Land, wo die Datteln wachsen?

Kennst du das Land mit den Pinienkernen?
Du kennst es nicht, du wirst es kennenlernen
Wo die krossen Mädchen auf den Palmen wachsen

Kennst du das Land? Es liegt im Süden
Von Lappland – und Schweden
Wo Finnen, Färöer und Grönen
Sich verwöhnen und relaxen?

Das ist Sachsen

Das Klima kennt Gewinner und Verlierer
Das steht – in meinem Reiseführer
Der Freistaat Sachsen kann sich glücklich schätzen
Gemütlichkeit unter Moskitonetzen

Das ist Sachsen

…und relaxen

Sachsen schätzen auch die Gemütlichkeit in Hängematten. So vermeidet man auch den Kontakt zur gefährlichen sächsischen Steissbeinbeissspinne, die gerne unter den Brettern von Bänken auf warme menschliche Körperteile lauert.

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Tag 36 zu Hause – Wer wir sein könnten

Heute habe ich mein erstes Buch von Robert Habeck gelesen „Wer wir sein könnten“ – Warum unsere Demokratie eine offene und vielfältige Sprache braucht. Mit aktuellem Nachwort. Es ist wirklich sehr aktuell und klug.

„Nichts ist verloren, aber kämpfen müssen wir“

so Habeck

Unterbrochen wurde ich heute von mehreren Telefonaten und Gesprächen mit ehemaligen Kolleginnen. Sie erzählten von üblen Erlebnissen mit meinen ehemaligen Chefs. Sie könnten und wollten gute Architektinnen sein. Leider bewegt sie das Verhalten inkompetenter Chefs und deren Mobbing oft zur Kündigung und sie überlegen sogar ihren Beruf aufzugeben. Die Atmosphäre in vielen Architekturbüros ist „verpestet“. In der Branche toben sich ungehemmt überdurchschnittlich viele Narzissten aus, so ist jedenfalls die Wahrnehmung vieler Architektinnen in Berlin und auch anderer Beobachter.

In einem anderen Blog habe ich ein paar Geschichten, Berichte und satirische Beiträge geschrieben. Bisher waren sie passwortgeschützt. Ich stelle sie nun öffentlich ins Netz: http://www.architektinnengeschichten.wordpress.com

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Tag 29 – nicht zu Hause – im ICE

In den letzten 10 Jahren bin ich jede Woche nach Berlin gefahren. Das letzte Jahr mit der BahnCard 100. Der bahn.comfort-Bereich war mein drittes zu Hause. Ich freue mich wie Bolle auf meine erste Bahnfahrt wieder nach über 30 Tagen und meinen ersten Berlinbesuch nach 5 Monaten.

In meinem Rucksack ist alles verstaut, was ich in den nächsten Stunden brauchen könnte. Die ZEIT war vor meinem Start leider noch nicht im Briefkasten. Schade heute habe ich einen ganzen Tisch für mich allein und könnte sie schön ausbreiten. Ein Buch habe ich nicht gefunden. Habe mir auch nichts rechtzeitig unter http://www.eckermannbuchhandlung.buchkatalog.de bestellt. An den Bahnhöfen in Weimar und Erfurt haben die Zeitungsshops geöffnet. Konnte mir ein Buch von Robert Habeck kaufen.

Erstmal mache ich eine Vesper und höre radioeins dabei. In Berlin berät Angela Merkel zur Zeit über Lockerungen. Erste Details und Vorschläge sickern durch. Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmetern dürfen eventuell wieder. Kontaktbeschränkungen bis 3.Mai. Dann darf der Buchladen meines Vertrauens endlich wieder öffnen.

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Sonntagsausflug nach Leipzig

Am Sonntag vor den Schulschliessungen in Sachsen wollten wir nach Leipzig Michaels Bruder und Familie besuchen und ich wollte mich auch mit Jonas treffen. Ein Besuch der Buchmesse war geplant. Ich hätte auch noch ein Hotelzimmer reserviert, war aber alles ausgebucht und fast doppelt so teuer, wie erwartet. Nachdem die Buchmesse abgesagt wurde, sind die Preise auf Normalniveau zurück. Ich habe ein Zimmer im neuen Motel One Leipzig-Post reserviert. Inzwischen sind Schulschliessungen im Gespräch und am Freitag vor unserer Fahrt wurden sie beschlossen. Das Hotel habe ich storniert. Jonas hat die Reise nach Leipzig auch abgesagt. Wir haben aus dem geplanten Wochenendtrip einen Sonntagsausflug gemacht.

Die Hygieneregeln erschienen uns nicht mehr übertrieben, wir haben sie schon angenommen. Give-Five mit Leo geht nicht mehr, Bussi-Links-Bussi-Rechts schon garnicht. Michaels Bruder hat in einem Restaurant in Markleeberg für 6 Personen reserviert. Wir hatten einen Tisch für uns mit großem Abstand zu den anderen.

Letztes Essen im Restaurant vor Gaststättenschließung im Forsthaus Raschwitz

Das Wetter war traumhaft, sonnig und leicht windig. Wir sind noch an den Cospudener See. Es war wahnsinnig voll. So einen vollen Spielplatz habe noch nie gesehen. Für Doreen als Zahnärztin war es wie im Horrorfilm. Wir haben uns abseits einen Platz gesucht und ein paar Runden Kuba gespielt.


Kubb unter Einhaltung der Hygieneregeln

Auf ein Schirmchengetränk in der Sonne haben wir Erwachsene angesicht der Menschenansammlungen an den Cafés verzichtet und sind von dem Ort wie vor der Pest geflohen.

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