Lessingstrasse

Tag 57 zu Hause – Heimkino

Seit ein paar Tagen sind die beiden Maler bei mir gegenüber. Sie erklären sich gegenseitig laut und in feinstem thüringer Slang die Welt und das Tagesgeschehen. Sind sich auch immer einig. Ich brauche kein Radio und keine Nachrichten mehr. Die Nachteile meiner nach außen zu öffnenden Fenster von VELFAC habe ich auch schon gehört. Aber ich werde mich in das Gespräch nicht reinhängen und ihnen von den Vorteilen erzählen.

Ich kann zum Beispiel alle Pflanzen auf dem Fensterbrett stehen lassen, wenn ich es öffne.

Der Bauherr kommt zur Zwischenabnahme und gibt letzte Anweisungen. Ganz großes Kino.

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Lessingstrasse

Tag 42 zu Hause – Kein Regen

Seit 6 Wochen Trockenheit. Vor 10 Tagen wurde mein Garten nachts etwas beregnet. In meiner Regentonne ist aber kein Wasser angekommen. Wir haben extensive Gründächer. Es kommt nur überschüssiges Wasser in meiner Regentonne an. Damit ist demnächst nicht zu rechnen. Für gestern war Regen angesagt. Ich habe ein Sonnensegel so aufgespannt, damit ich das Wasser in der Regentonne auffangen kann. Gegen 15 Uhr kam endlich die erste kleine Regenwolke. Es war ein Tropfen auf den heißen Stein. In der Regentonne sind ungefähr 2 Liter Wasser angekommen. Zumindest funktioniert meine Wasserauffangkonstruktion. Der große Regen am Abend kann gerne kommen, ich freue mich.

Bin total deprimiert. Der prognostizierte Regen ist nördlich und südlich an der Lessingstraße vorbei gezogen. Für heute ist auch kein Niederschlag angesagt. Erst wieder für Samstag, also in 3 Tagen. Ich hoffe Berlin hat wenigstens ein paar Tropfen abbekommen. In der Zeit scheint Bayern fasst abzusaufen. Ich gehe jetzt in meinem Garten das letzte Wasser aus der Regentonne sorgsam auf meine Pflänzchen verteilen.

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Grüner Wohnen, Lessingstrasse

Tag 27 – Hasenstallarchitektur

An diesen Ostertagen handeln die Gespräche oft davon, wie es nach Ostern weiter geht. Ich fange auch allmählich an zu überlegen, was ich beruflich in nächster Zukunft machen werde. J. hatte eine tolle Idee, ich könnte doch Hasenstallarchitektin werden.

Das kam so: An den Ostertagen habe ich in einem Garten bei Freunden ein richtig schönes Hasengehege gesehen.

Die Kinder von J. haben auch Hasen und noch kein schönes zu Hause im Grünen, noch sind sie in ihrem Winterquartier. Ein Umzug in den Garten ist in Planung. Das könnte mein erstes Projekt werden.

Die Hasen von Heidi haben zwar schon ein schönes zweigeschossiges Haus. Bis jetzt haben sie aber nur ein quadratisches Stück Rasen als Auslauf. Mein kleines zweigeschossiges zu Hause wurde vom Weimarer Volksmund in den ersten Jahren als „Karnikelstall“ bezeichnet. Von daher weiß ich, dass ein eigener kleiner Freisitz, Austritt, Auslauf, Garten sehr wichtig sind.

Der Mensch braucht wie der Hase einen Platz zum Essen, zum Liegen, mal Schatten, mal Sonne, was Grünes. Mein Gärtchen ist jetzt sogar so groß, dass ich Besuch unter Einhaltung der Abstandsregeln empfangen kann. Judith arbeitet im Klinikum in meiner Nähe. Ich habe ihr angeboten in der Mittagspause mal vorbei zu kommen. Während unserer Fahrradtour auf den Ettersberg hätte sich Michael schon ganz gern zwischendurch bei einem Kaltgetränk erfrischt und ich eine Kaffeepause gemacht. Judith hat in der Zeit Bilder von ihrem gebackenen Kuchen ins Netz gestellt. Meine spontane Besuchsanfrage musste sie leider ablehnen, weil wir auf ihrem Balkon den Abstand nicht einhalten können und die Nachbarn auch sehr darauf achten, bei sich und den anderen. Okay, wir wollen ja auch nicht, dass die Fallzahlen nach Ostern wieder schneller ansteigen.

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Lessingstrasse

Tag 25 – Ostern zu Hause

Ostern 2020 unterscheidet sich nicht wesentlich von den anderen Jahren. Als Weimaranerin gehe ich selbstverständlich in den Goethepark auf dem Corona-Schröter-Weg am Goethegartenhaus vorbei und rezitiere den Osterspaziergang aus Faust I.

In der Lessingstrasse ist es meistens sehr ruhig in den Ferienzeiten, weil meine Nachbarn fast alle im Urlaub sind und ich kann Besuch einladen und erholsamen Urlaub zu Hause machen.

In diesem Jahr sind weniger Nachbarn im Urlaub. Ich bleibe trotzdem fast allein zu Hause.

Wo seid Ihr alle? Habt Ihr eine Osterdekoration? Ihr könnt mir sehr gerne Bilder im Kommentar einstellen.

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Grüner Wohnen, Lessingstrasse

Tag 23 zu Hause – Nachbarn

Heute war ich mal wieder in der Stadt. Ich kann allen Daheimgebliebenen berichten, es ist sehr ruhig in der City. Bei Jelo gibt es Mittagessen in einer Einwegpackung. Zur Müllvermeidung wird das Essen auch auf eigenem Teller oder Gefäß ausgegeben.

Auf dem Rückweg habe ich meine kleine Nachbarin über den Zaun lunsen gesehen.

Ihre Eltern sind auch zu Hause. Sie haben grad Mittagspause gemacht. Papa gibt Musikunterricht über das Internet. Mama arbeitet in einem kleinen feinen Laden in der Innenstadt und organisiert jetzt den Onlineverkauf http://www.matzundmurkel-shop.de für Kinderbekleidung, Spielzeug und Zubehör. Vroni reitet heute auf ihrem Hexenbesen und morgen auf dem Pferd durch den Garten.

Katja Liebeskind ist gelernte Friseuse, gut zu wissen für den Notfall.

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Lessingstrasse

Tag 21 zu Hause – Frühling

In der Lessingstrasse ist alles ruhig und entspannt. Es ist Frühling, die Obstbäume fangen an zu blühen, Vögel zwitschern und die Bienen summen. Am Krankenhaus in der Nähe ist auch Ruhe. Keine Hubschrauberflüge und kein Tatütata von Rettungsfahrzeugen zu hören. Die Nachbarstochter ist auch seit ein paar Tagen aus Asien zurück. Wir konnten einen Plausch am Fenster machen. „Es ist so surreal.“

Ja, genau das sage ich auch seit 2 Wochen. Ich habe mich auch gefragt, wie mag das wohl vor 75 Jahren hier gewesen sein. Es war noch Krieg, die Männer an der Front oder verletzt oder gefallen. Vorwiegend die Frauen mussten irgendwie das Leben aufrecht halten und sich um die Kinder und Alten kümmern und trotzdem war Frühling.

In der letzten Zeit schreibt Susanne Kauffmann-Kramer aus Rösrath, Nordrhein Westfalen:

“ In diesen Tagen erinnere ich mich oft an die Stille im April 1945. Es gab keinen Fliegeralarm mehr, keine Bombengeschwader, keine Detonationen, kein gedrängtes Sitzen im Luftschutzkeller, aber auch keine Stimmen auf den Strassen, nur Vogelgezwitscher im glitzernden Frühlingssonnenschein – denn die Amerikaner hatten nach der Eroberung unserer kleinen Stadt eine Ausgangssperre verordnet.

Um der Stubenhaft zu entkommen, richtete ich mit meiner Freundin im Nachbarhaus eine stille Post ein: Ein Bindfaden von ihrem Klofenster zu unserem Dielenfenster trug unsere – vermutlich nicht sehr weltbewegenden – Nachrichten in einem Körbchen hin und her.“

Die Zettelchen wären heute bestimmt interessant. Der Inhalt unterscheidet sich vielleicht nicht so sehr von dem, was meine Nachbarskinder sich am Gartenzaun erzählen.

Meine Tante kann sich auch noch an den Frühling vor 75 Jahren in Gablonz (heute Jablonec) erinnern. Sie war 9 Jahre alt, es gab auch eine Ausgangssperre, niemand wusste so richtig was demnächst passiert. Über eine Umsiedelung der Deutschen und Verlassen von Haus und Garten haben die Erwachsenen gesprochen. Aber sie kann sich nicht an Angst, Chaos, Panik erinnern. Auch das habe ich jetzt bei einem Spaziergang durch das Merketal bei zwei 10-jährigen Mädchen beobachtet. Sie wissen was los ist, halten sich an die Abstandsregeln. Während sich die Mütter über die ganze Problematik unterhalten, sprechen die Mädchen fröhlich über die Schulaufgaben, die Hasen, den Hund und spielen. Sehen die Blüten, die Bienen, erkennen die Vögel, geniessen den Frühling.

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Lessingstrasse

Tag 19 zu Hause – Lego

Jonas hat seine vielen Legobausteine in Weimar hinterlassen. Mit seinem Einverständnis werde ich sie nun an andere Kinder zum Häuser bauen weitergeben. Nur die grauen Steine und seine Roboter darf ich nicht weitergeben. Er hat sie bereits als Diplomgestalter aus Langweile in einer Quarantänezeit gebaut.

Es sind noch sehr viele Legoteile da, die ich auch gerne an gelangweilte kreative Männer abgebe. Da lässt sich doch noch was draus machen!

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Lessingstrasse, Mädelstreffen

Tag 18 zu Hause – Alt sein auf Probe

Zitat am Tag 4 zu Hause in unserem Mädels-Chat:

„Tja, das ist wahrscheinlich generell unser Problem, daß wir uns immer nur vollwertig fühlen, wenn wir nur genug zu tun haben. Ich bin ja eigentlich genauso gestrickt.“

Sorry, da muß ich mich ausschliessen. Ich konnte Arbeitslosigkeit immer gut genießen und habe die Zeit und Energie für wichtige Dinge genutzt, die auch Spaß machen. Wenn Langeweile aufkommt, stricke ich oder mach Hängematten-Yoga oder such mir ein Problem. Davon gibt es genug.

Chillen hab ich inzwischen auch gelernt. Das hat mir vor vielen Jahren mein Sohn beigebracht. An freien Sonntagen fragte ich oft, was er für den Tag plant. Meistens kam als Antwort, daß er noch keinen Plan hat, manchmal war er schon verplant. Eines Tages sagte er, daß er „chillen“ will. Ich habe mich schon auf ein Mexikanisches Essen gefreut, zu früh.

Sven Kuntze kam vor über 10 Jahren mit einem Kamerateam aus Köln zu uns in die Lessingstraße und hat drei Tage für seine Dokumentation „Alt sein auf Probe“gedreht und interviewt. Sehr sehenswert, er hat dafür auch den deutschen Fernsehpreis bekommen. Leider findet man die Doku nicht in der Mediathek. Ich habe eine DVD besorgt, die ich für private Zwecke an Interessenten verborgen darf.

Will das angesagte Kamerateam aus Köln nun „Alt sein auf Probe – Teil 2“ drehen? Ich mache grad gezwungenermaßen den Test, fühlt sich noch ganz gut an.

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Lessingstrasse, Thüringen

Tag 17 zu Hause – Neues aus der Lessingstrasse

Die „Lindenstrasse“ wird seit 29. März nicht fortgesetzt. Sie wurde in Köln produziert. Vor ein paar Tagen kam bei uns Einwohnern der Lessingstrasse eine Drehanfrage aus Köln. Ich habe erstmal Interesse an einer Zusammenarbeit gezeigt. C. aus Köln hat mich gewarnt, ich muß genau schauen, worauf ich mich einlasse. Das Konzept liegt derzeit zur Weiterbearbeitung beim MDR, sobald es mir vorliegt werde ich mir eine Zweitmeinung im Mediensumpf Köln einholen. Bei den Dreharbeiten als Komparse beim Tatort und der Serie „Eine neue Zeit“ habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Ich bin zwar arbeitslos und werde mich nun auch nicht mit Jobs als Komparse über Wasser halten können, aber trotzdem werde ich nicht jedes Angebot annehmen.

Wie in der Lindenstrasse kommen auch in der Lessingstrasse die neuesten Nachrichten herein. Jeden Morgen darf ich mir bei meinen Nachbarn die TLZ aus dem Briefkasten fingern. Ich lese bei einem Kaffee die lokalen Nachrichten und bringe die Zeitung dann säuberlich gefaltet zurück.

Schon gestern gab es viele sehr gute Nachrichten für Thüringen und auch für unsere Freunde in Köln. Thüringen bereitet sich auf Sommerurlauber vor. Liebe Kölner Freunde, bucht bevor der große Ansturm der verhinderten Kreuzfahrttouristen, Abenteuerreisenden und Billigflugreisenden beginnt. Ich kann auch Reservierungen für mein Gästezimmer entgegen nehmen. „Mehrheit für Rot-Rot-Grün“ und „Meuthen-Idee spaltet AfD“ sind auch keine beunruhigenden Nachrichten.

Heute „Corona-Antikörpertest aus der Senova Weimar“ –

„www – Wir waschen weiter“ – der Reinigungsservice bleibt geöffnet, Nicole Bemmann ist optimistisch „Ist man gut, spricht es sich herum, ist man schlecht, noch mehr“ ja so ist das in Weimar.

„Ziemlich beste Geschwister“ von Sabrina Rebecca Heinke eine Bloggerin und Sachbuchautorin aus Thüringen ist erschienen, ein Ratgeber für alle Familien mit mehr als einen Kind ist erschienen. Werde ich gleich mal in der Eckermann-Buchhandlung bestellen und verschenken.

„“Traumschiff“ muss Dreh abbrechen“ – als Alternative war ein Low-Budget-Projekt im Gespräch, Dreharbeiten im Traumland Thüringen mit dem Arbeitstitel „Im Paddelboot die Ilm entlang“ – wurde aber abgelehnt.

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Lessingstrasse

Tag 13 zu Hause – Keine Panik

Wenn ich aus meinem Fenster schau, sehe ich ganz hinten das Klinikum Weimar. Vor ein paar Tage kam zweimal der Hubschrauber. Beim den Spaziergängen mit Katja gehe ich daran vorbei. Es wurde vor der Notaufnahme ein Zelt aufgebaut. Es ist alles ganz ruhig. Das Klinikum hat Ärzte in die Partnerstadt Siena geschickt.

Gestern nach den Nachrichten mit Bildern aus Indien und Italien und nach 10 Minuten Tatort hatte ich plötzlich Hitzewallungen oder Fieber. Ich habe mich schon auf dem Weg in die Notaufnahme gemacht, aber nach 20 Schritten an der frischen Luft war ich wieder okay.

Die Tochter einer Nachbarin ist in Indien. Der gebuchte Flieger wurde 3 Stunden vor Abflug gecancelt. Jetzt gehört sie zu den vielen gestrandeten Deutschen die Heiko Maas zurück holen muss.

Die Tochter einer Bekannten ist in Peru gestrandet.

Ich wünsche Ihnen Geduld und bin ganz zuversichtlich, dass Heiko es schafft, alle Deutschen zurück zu holen.

Andrea’s Tochter ist im letzten Moment von der Insel Mauritius weg gekommen. Nun muss sie gleich in der Charité arbeiten. Ihr Mann schippert auf einem Kreuzfahrtschiff auf den Weltmeeren rum. Können nur zum Auftanken in die Häfen und nicht an Land. Auf ein Kreuzfahrtschiff wollte ich noch nie, jetzt erst recht nicht. Überwiegend Risikogruppe, bei einem Coronafall an Bord, muss ich womöglich gleich in Quarantäne und wenn nicht, will ich vielleicht garnicht an Land. Was das Allerschlimmste ist, es gibt kein bezahlbares Internet. Obwohl das vielleicht auch wieder gut ist, zur Panikvermeidung.

Jonas ist in Berlin, hat sich mit Laura in ihrer Wohnung eingerichtet. Ich hätte auch ganz gern, daß er aufs Land kommt. Eine Großstadt im Chaos ist mir unheimlich. Aber auch nach einer Woche war dort alles entspannt. Sie spielen Brettspiele. Ich höre Radio eins und Berichte über die idealen Bedingungen für Fahrradfahrer auf der Strasse. Das Fahrrad gilt als ideales Fortbewegungsmittel, der geforderte Abstand kann gehalten werden und die Bewegung an der frischen Luft ist gesund.

Ich hätte Lust mal wieder mit der Bahn nach Berlin zu fahren. Vorerst bleibe ich zu Hause.

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