Mädelstreffen

Coronakaffeekränzchen

Inzwischen zähle ich die Tage nicht mehr. Heute ist Tag 87. An Tag 10 wäre unser jährliches Mädelstreffen gewesen. Gestern kam Sibylle mal spontan aus Bayern nach Gotha. Wer konnte, hat seine Termine geschoben und ist spontan ins Café Suzette gekommen. Ich bin auch mit dem Hopperticket in meine Geburtsstadt gefahren. Die Freude war riesig und wir haben uns von dem reichhaltigen Tortenangebot verführen lassen und ordentlich was auf die Home-Office-Hüften gelegt. Somit konnten wir etwas den Umsatzausfall der letzten Wochen ausgleichen.

http://www.konditorei.cafe-suzette.de

Zu erzählen hatten wir auch eine Menge. Eigentlich wollte ich noch mit Sibylle in die Ausstellung im Schloss. War leider noch geschlossen. Also liefen wir nochmal durch die Stadt. Sie hatte Lust auf eine original Thüringer Rostbratwurst. Gab es aber auch nicht. Der Markt ist eine Großbaustelle. Der gesamte Platz wird neu gestaltet. „Dabei sollen die alten Steine bleiben, aber die Dellen und Löcher geglättet werden.“ Ich würde wahrscheinlich von Unebenheiten sprechen. Die Gothaer sagen halt Delle, sie sagen ja auch „demmeln“. Delle ist doch der Spitzname eines ehemaligen Klassenkameraden, der eigentlich Detlef heißt.

Hier gibt es bis Ende 2021 auch keine Bratwurst. Am Neumarkt gab es leider keine vom Rost, dann nehmen wir halt ein Fischbrötchen.

Hat das Relief auf dem Holzstuhl am Buttermarkt einen Bezug zum Gothaer Liebespaar? Nein es ist der…

An einer Baustelle am Markt packten grad Archäologen aus Weimar zusammen und machten Feierabend. Wäre eine gute Mitfahrgelegenheit, aber ich hab ja mein Hopperticket mit Rückfahrt. Ach ja, da sind ja auch noch Abstandsregeln einzuhalten.

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Mädelstreffen, Weimar

Tag 23 zu Hause – Friseur

Heute hätte ich eigentlich einen Termin bei Mrs. Jones zum Haare schneiden und Ansatz färben gehabt. Der Termin ist schon lange abgesagt. Der 17. März ist ein unvergesslicher Tag, ein Aufschrei ging durch unser Mädels-Chat. Vom 18.März bis 20.April gibt es keine Friseurtermine. Alle wollten zu unserem geplanten nächsten jährlichen Treffen 10 Tage später mit Grauabdeckung und ordentlichem Haarschnitt erscheinen.

Am letzten Tag vor dem Schließen wollte Michael in Erfurt auch noch seine Haare schneiden lassen. Alles ausgebucht. Seine Kollegin hat ihm noch einen Termin bei Herrn Kemmerich besorgt. Masson hatte noch freie Kapazitäten. Glück gehabt! Aber irgendwelche Neuigkeiten von unserem ehemaligen Ministerpräsidenten hat er nicht erfahren. Männer reden offensichtlich nicht so viel mit ihrem Friseur.

Am Tag bevor die Friseurläden wieder aufmachen, sollten alle ein Foto von sich machen. Ich bin mir noch nicht schlüssig, ob ich bis dahin, meine Haare wachsen lasse oder ich sie mir selbst schneide oder von Michael schneiden lasse, obwohl in der Presse ausdrücklich davor gewarnt wird.

Heute bei meinem Stadtgang habe ich zufällig meine Friseuse getroffen und sie besorgt gefragt, wie es geht. Sie meinte, daß sie die Auszeit sehr genießt. Na dann ist ja gut.

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Lessingstrasse, Mädelstreffen

Tag 18 zu Hause – Alt sein auf Probe

Zitat am Tag 4 zu Hause in unserem Mädels-Chat:

„Tja, das ist wahrscheinlich generell unser Problem, daß wir uns immer nur vollwertig fühlen, wenn wir nur genug zu tun haben. Ich bin ja eigentlich genauso gestrickt.“

Sorry, da muß ich mich ausschliessen. Ich konnte Arbeitslosigkeit immer gut genießen und habe die Zeit und Energie für wichtige Dinge genutzt, die auch Spaß machen. Wenn Langeweile aufkommt, stricke ich oder mach Hängematten-Yoga oder such mir ein Problem. Davon gibt es genug.

Chillen hab ich inzwischen auch gelernt. Das hat mir vor vielen Jahren mein Sohn beigebracht. An freien Sonntagen fragte ich oft, was er für den Tag plant. Meistens kam als Antwort, daß er noch keinen Plan hat, manchmal war er schon verplant. Eines Tages sagte er, daß er „chillen“ will. Ich habe mich schon auf ein Mexikanisches Essen gefreut, zu früh.

Sven Kuntze kam vor über 10 Jahren mit einem Kamerateam aus Köln zu uns in die Lessingstraße und hat drei Tage für seine Dokumentation „Alt sein auf Probe“gedreht und interviewt. Sehr sehenswert, er hat dafür auch den deutschen Fernsehpreis bekommen. Leider findet man die Doku nicht in der Mediathek. Ich habe eine DVD besorgt, die ich für private Zwecke an Interessenten verborgen darf.

Will das angesagte Kamerateam aus Köln nun „Alt sein auf Probe – Teil 2“ drehen? Ich mache grad gezwungenermaßen den Test, fühlt sich noch ganz gut an.

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Mädelstreffen

Tag 5 zu Hause – Alternativen

Es ist Sonntag. Seit einer Woche sind die Schulen und Kitas zu, seit Donnerstag die Geschäfte und Friseursalons. In der WhatsApp-Gruppe meiner ehemaligen Klassenkameraden werden motivierende, mahnende, blumige und lustige Bilder und Filme ausgetauscht.

Frauke meldet sich:

„Ich habe mit diesem mantraartigen Spruch von „wir bleiben zu Hause“ meine grossen Probleme. Das suggeriert nämlich, dass wir die nächsten Wochen zu Hause hocken sollen. Irgendwann bringen wir uns dann gegenseitig um und sind ausserdem pleite. Den Menschen muss zu mindestens die Möglichkeit gegeben werden draussen sich zu bewegen, laufen, Fahrrad fahren, Spaziergänge, auch und gerade mit einer Freundin/Freund usw. (es muss ja keine Gruppe sein) und ausserdem muss für diese volkswirtschaftliche Katastrophe auch eine Lösung gefunden werden…“

Ich atme ein, ich atme aus …

Frauke ist Ärztin. Was ist aus Ihrer Sicht die Alternative? Hat Frau Doktor da eine kleine Wahrnehmungsstörung? Für Ihre Probleme gibt es gute Therapien, soll ich Ihr einen Therapeuten empfehlen? Sie darf doch mit ihrem Mann spazieren gehen, musst ihn nicht umbringen? ….

Bling! Nochmal Frauke:

„Das „Urlaubsbild“ übrigens finde ich nicht witzig…“

Was findet sie witzig? Kein Humor ist auch keine Lösung.

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Mädelstreffen

Tag 7 zu Hause – Sex and the countryside

Bin schon vor Sonnenaufgang munter und habe eine Schreibwut. Ich sehe grad Carrie Bradshaw aus „Sex and the City“ hinter ihrem Apple am Fenster einer New Yorker Wohnung, es ist Abend, der Apfel strahlt, sie muss noch schnell ihre Kolumne schreiben und sie überlegt und überlegt, guckt nach oben, das Haar ist gut gestylt, ihre Gedanken werden gesprochen und dann tippt sie ganz wild auf ihren Apple – Ende der Folge.

Ich habe auch den Apple aufgeklappt und lümmele auf meinem Bett. Mein Schlafshirt habe ich bei der letzten Kleidertauschparty mitgenommen, es ist grün und hat den Aufdruck „Save the future“. Das sieht jetzt nicht so filmreif aus. Meine Freundinnen und ich sind ganz andere Typen als Samantha die PR-Agentin, Charlotte die Galeristin und Miranda die Anwältin und wir treffen uns auch nicht fast täglich in einem angesagten Restaurant zum Austausch von Männergeschichten und für einen Cosmopolitan. Unsere Truppe ist auch sehr lustig, wir reden über alles, außer über Sex. Lisbeth spricht gern das Thema „Gelebter und ungelebter Sex im Alter im Allgemeinen“ an, aber mit Zitaten von Rainald Grebe, wie „Sex, wird total überbewertet“ oder die Gegenfrage „Hast Du etwa noch Kinderwunsch?“ versuche ich das Thema auf andere Hobbys zu lenken. Wir treffen uns einmal im Jahr, das sollte nächstes Wochenende in Oberfranken sein.

Unsere geplante Besetzung:

Sibylle – In diesem Jahr unsere Organisatorin, Deutschlehrerin in Oberfranken, glücklich geschieden, Sohn verheiratet und eine Enkelin die aussieht, wie sie als Kind, hat die gleichen roten Haare

Lisbeth – Zahnärztin in Thüringer Kleinstadt, nach Quarantäne im Hotel nun aus Kroation zurück, muss jetzt die Praxis durch die Krise retten, Gartenarbeit und Hausputz waren Samstag erledigt, nun könnte sie die Ruhe mit ihrem Mann geniessen

Edda – Leiterin einer Volkshochschule in Thüringen, zur Zeit Knieschmerzen, mehr weiss ich grad nicht

Greta – Lehrerin in Gotha, immer gesund ernährt und munter, über die aktuelle Familiensituation wollten wir morgen mehr erfahren

Sabine – aktuelle Familiensituation: frisch verheiratet, zur Zeit Strohwitwe, Mann auf Kreuzfahrtschiff, kann grad nicht an Land, irrt auf den Weltmeeren rum, wenn er dann endlich an Land sein wird, muss er erstmal in Quarantäne aus Rücksicht auf die Risikogruppe, Tochter im letzten Moment von einer Ferieninsel im Atlantik zurück, muss gleich in der Klinik arbeiten. Sabine hat am Samstag den Garten schon bearbeitet, eine kleine Weide und viele Primelchen und Gänseblümchen beim Gärtner gekauft und gepflanzt, in der Hoffnung, dass sie mal größer werden als die Wildkräuter im Kiesstreifen, Sonntag Hausputz und Montag musste sie wieder arbeiten im Steuerbüro, bei dem Telefonterror hat sie kaum Zeit, sich Sorgen um die Familie zu machen, Probezeit überstanden  

Christine – vor 34 Jahren auf gleichem Schloss wie Sabine geheiratet, aber schon wieder geschieden, seit 18 Jahre gleicher LAG, immer noch die gleichen getrennten Wohnungen, Architektin, Probezeit nicht geschafft, seit 1 Woche freigestellt, Hausputz fast fertig, Gartenarbeit noch nicht angefangen, blüht aber trotzdem viel, plant Hochbeete zu bauen, zieht schon die Pflanzen, hat 80 l Erde gekauft und Samen   

Seit ein paar Tagen steht fest, das Treffen fällt aus und wir tauschen uns umso intensiver in der WhatsApp-Gruppe aus. Sibylle hat unsere Gruppe unbenannt von „Neue Gruppe“ in „Die Humorvollen“ und gibt uns wertvolle Literatur- und Dekotips. Samstag haben wir uns gegenseitig informiert, wie es uns und unseren Lieben geht. Ab Sonntag kamen dann schon die ersten lustigen Videos, von Sabine nachdenkliche Musik, von Edda lustige Texte und viel Zustimmung, Sibylle und Greta haben vorwiegend Aufklärungsvideos von Ärzten und Virologen verteilt. Montag war der Höhepunkt, das reinste Bombardement. Am Dienstag war Ruhe.

Unser Lieblingsvideo:

—das Leben muss ja irgendwie weitergehen.

Unser aktuelles Lieblingsgetränk:

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