Tatort Weimar

Kinderbonus

Hier bin ich mit den Kindern meiner Nachbarin vor 3 Jahren auf dem Flohmarkt. Ein Jahr vorher hat ihr Papa sie und noch 2 größere Brüder verlassen. Er ist nach Leipzig gezogen zu einer jüngeren Frau, die von ihm schwanger war. Sein 5. Kind war zu dem Zeitpunkt schon geboren. An dem Wochenende musste meine Nachbarin mit ihren Kindern auch aus finanziellen Gründen aus dem schönen großen Haus mit Garten ausziehen. Zum Glück fand sie eine halb so große Wohnung ein paar Meter weiter, so daß sie meine Nachbarin blieb. Die Kinder mussten ihr Spielzeug sortieren und reduzieren und nun auf dem Flohmarkt verkaufen. Wenn jemand einen Preis runterhandeln wollte, habe ich den Interessenten erklärt, dass das leider nicht geht. Die armen Scheidungskinder brauchten das Geld. Meistens waren die Leute daraufhin sehr einsichtig. Wenn ich ihnen dann noch erzählt habe, dass sie nun 4 Kinder allein mit ihrer Mutter sind, waren sie fast zu Tränen gerührt. Am Ende des Marktes, waren die Kinder ganz zufrieden mit ihren Einnahmen.

Der Papa hat inzwischen noch einen Sohn gezeugt. Trotzdem scheint er nicht glücklich zu sein. Er redet nicht mehr mit der Mutter seiner Kinder. Seine Eltern reden auch nicht mehr mit der Mutter ihrer Enkel. Nicht einmal einen freundlichen Gruß bringen sie über die Lippen. Auch ich kenne nur böse emails von ihm und Beleidigungen im Beisein seines Sohnes.

Ich finde jedenfalls meine Nachbarin und ihre beiden Kinder total in Ordnung. In den letzten Monaten hat die Familie die Situation auch ganz gut gemeistert. Am Anfang konnten die Kinder auch nicht so oft zu ihrem Papa nach Leipzig. Das fehlende Training, Kino, die Kontaktbeschränkungen, fehlende Treffen mit Schulfreunden konnten sie zu Hause ganz mit Malerarbeiten im neuen Zimmer, einzelnen Freunden in der Nachbarschaft, Laufen im angrenzenden Park und Wald, Hasen im Garten ausgleichen. Beim Homeschooling durfte ich auch manchmal mit dabei sein, während die Mutter arbeitete. Über unsere neuen Yogafiguren habe ich auch berichtet. Es war interessant zu erleben, wie Langeweile Kreativität freisetzt.

Nun verteilt unsere Regierung einen Kinderbonus für die Mehraufwendungen der Kinderbetreuung. Jetzt will doch tatsächlich der Papa den Kindesunterhalt um den halben Betrag kürzen.

Er bekommt als Professor an der HTWK das Dreifache des Gehaltes der Mutter. Hatte in den letzten Monaten keinerlei Einkommensverluste. Im Gegenteil, vermutlich hatte er weniger Aufwand ohne Studenten und konnte in Ruhe seinen Hausbau vorantreiben. Das schöne neue Haus für seine junge Frau und seine zwei kleinen Söhne soll bald fertig sein.

Den Kinderbonus hatte meine Nachbarin schon für etwas Besonderes für die Kinder eingeplant. Wie erklärt sie nun den Kindern, daß Papa die 300 Euro dringend braucht? Mit Mehraufwendungen kann er das nicht begründen.

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Nora Tschirner, Tatort Weimar, Weimar

Mein erstes Mal im Autokino

Eigentlich wollte ich nie in ein Autokino. Was für ein Schwachsinn! Autokino in der Innenstadt, in einem Arial für künftige Bewohner die zu 80% keinen eigenen PKW haben sondern Fahrräder in allen Varianten benutzen. Aber der neue Weimar-Tatort läuft mit Videoschaltung zu Nora Tschirner und Lupo und der Regisseurin und ich habe kein Auto. Gibt es für diesen Fall bereits irgendwo eine Mitsitzgelegenheit?

Christian hat mir sein Auto angeboten. Okay, es war ja ganz lustig zu zweit mit Knabbergebäck, Füße hoch, Quatschen ohne jemand zu stören, Getränkebestellung per Telefon, Applaus mit Lichthupe…

Trotzdem werde ich mich nie wieder dazu verführen lassen. Ich hoffe, dass bald andere Veranstaltungen zugelassen werden, im Strandkorb, mit Sofa…

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Tatort Weimar

Tag 50 zu Hause – Wer war das?

Passt auf Eure Haustiere auf! Im Landkreis Weimar geht ein Meerschweinchenmörder um. Tiere schlachten, Fell abziehen und dann essen, ist ja normal. Aber wer bringt wehrlose kuschelige Meerschweinchen sinnlos um und lässt sie dann einfach liegen?

War es häusliche Gewalt? War es ein Kind? Sollten die Kinder schnellstmöglich in die Schule und ihre Aggressionen wieder an den Lehrern auslassen.

War es Notwehr? Die Meerschweinchen waren schließlich zu zweit und sind mit Nagezähnen bewaffnet auf das Opfer zugerannt. Das ist doch unfair!

War es aus Eifersucht? Die Besitzerin streichelte die Meerschweinchen mehr, als ihren Freund?

War es ein Ausländer? Auweia, Futter für die AfD. In Peru, Bolivien und Ecuador werden Meerschweinchen gegessen. Aber ich denke, das kann man ausschließen. Sie wurden liegen gelassen, nach Auskunft der Presse. Wobei man ja nicht alles glauben sollte. Vielleicht wurde auch hier, wieder etwas vertuscht.

War es ein Vegetarier? Weil die Tiere zu viel Gras und Getreide gefressen haben. Oder ein Klimaschützer, weil sie so viel pupsen?

Warum sucht das Veterinäramt? Gibt es in den alternativen Medien erste Hinweise, dass Meerschweinchen Träger neuartiger Viren sind?

Ich hoffe der Fall klärt sich bald auf und der Täter wird gefasst und verurteilt.

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Nora Tschirner, Tatort Weimar

Tag 32 zu Hause – Dornies

Am Tag 14 habe ich angekündigt, daß ich noch erzählen werde, wie ich durch erfolgreiche Ermittlungstaktiken das Geheimnis der „Fetten Dorn“ herausgefunden habe. Heute bin ich daran erinnert worden. Hätte nicht gedacht, daß die Geschichte jemand interessiert. Also das war so:

Zu dem ersten Weimar-Tatort gab es ein Preview im Theater eine Woche vor der Ausstrahlung im ARD. Da Komparsen keinen Anspruch auf Eintrittskarten haben und es mir auch nicht gelungen ist im Vorverkauf und auch nicht über Preisrätsel im Radio und der Lokalzeitung eine Karte zu bekommen, musste ich meine Beziehungen im Weimarer Untergrund zu den anderen „Verdeckten-Ermittler-als-Tourist-verkleidet“ ausspielen. Von Hendrik Zürch habe ich eine Karte bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle!

Roter Teppich in Weimar ist schon aufregend, obwohl ich es von Berlin gewohnt bin. Dort bin ich schon oft über den roten Teppich gestolpert, weil zum Beispiel grad mal am Ku’damm ein Film von Veronika Ferres uraufgeführt wird. Den größten Kreischalarm löste in Weimar Palina Rojinski aus, die ich bis dahin garnicht kannte.

Mit 800 Zuschauern im Theater einen Tatort schauen und gemeinsam bei den Gags lachen, das ist schon was Besonderes. Das Ende war ja auch sehr überraschend und sollte unbedingt bis zur Ausstrahlung nicht verraten werden. Das war eine besondere Herausforderung für das Tratsch- und Klatschvolk in Weimar.

Mein 10-Sekundenauftritt ist das Ergebnis eines Drehtages. Die Frau mit Rücksack ist einmal über den Theaterplatz gelaufen und war bestimmt 12 Sekunden im Bild. Hat aber auch keinen Mindestlohn bekommen.

Auf das anschließende Gespräch mit Darstellern und Mitwirkenden, habe ich mich auch sehr gefreut. Ich hätte gerne meinen Mut zusammen gefasst und an Kira Dorn die Frage gestellt, warum ihr Name so gewählt wurde und wie es sich damit lebt in der Rolle. Aber die sonst übliche Frage: „Hat noch jemand Fragen?“ blieb aus.

Bei der anschließenden Party in den Foyers, war Thema Nummer eins das Privatleben von Nora Tschirner. Niemand wusste, wer denn nun der Vater von ihrem Kind ist und ob sie ein Mädchen oder einen Jungen bekommen hat.

Ich hatte eine Mütze mit meinem Label „Dornies“ dabei, die ich gerne Kira Dorn für ihr Dörnchen geschenkt hätte. Aber die Stars haben sich bereits zurück gezogen. Auf dem Balkon beim Rauchen hat sich zufällig herausgestellt, daß der Kommissariatsleiter Stich zur gleichen Zeit wie ich in Ruhla gelebt hat und wir ein paar gemeinsame Bekannte haben. Dadurch kam ich mit dem Drehbuchautor ins Gespräch und konnte ihn fragen, ob er weiß, wo die beiden Kommissare jetzt sind. Er meint, die müssten eigentlich auch noch im Theater unterwegs sein. Die Frage ob sich Nora Tschirner einfach so ansprechen läßt und Geschenke annimmt, hat er bejaht und mir den Tipp gegeben, einfach beherzt auf sie zuzugehen. Also bin ich nochmal ein wenig durch die Foyers gelustwandelt, aber von den Schauspielern hat sich niemand mehr unter das Volk gemischt.

Bei der nächsten Zigarettenpause auf dem Balkon hinter dem Rücken von Goethe und Schiller traf ich wieder den Drehbuchautor. Er hat mir angeboten, das Geschenk Nora am nächsten Tag beim Frühstück im Hotel zu übergeben. Ich zeigte ihm die rote Kindermütze. Er fand sie sehr cool. Als Alternative zeigte ich ihm noch eine blaue Mütze. Er meinte aber, daß die Farbe Rot genau richtig ist und die blaue Dornie bekam er für seinen kleinen Sohn.

So konnte ich an der Bar der Frau vom Polizeichef in Weimar eine Neuigkeit verraten. Obwohl sie beim mdr arbeitet, hat sie die auch noch nicht gekannt. Sie mußte dann auch gleich ihrem Mann erzählen, wie Frau Dorn (also ich) herausgefunden hat, daß Kira Dorn (also Nora Tschirner) ein Mädchen auf die Welt gebracht hat. Er und seine Soko hatten das offensichtlich auch noch nicht herausgefunden. Ralf Kirsten der Polizeichef von Weimar bekundete Anerkennung für meine erfolgreiche verdeckte Ermittlungsarbeit. Tja, die wichtigen Themen werden immer im Raucherbereich besprochen.

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Nora Tschirner, Tatort Weimar

Tag 22 zu Hause – Tatort Weimar vor 7 Jahren

Erinnerung aus dem Netz – Heute vor 7 Jahren bin ich also vor Sonnenaufgang aus dem Haus an den überfrorenen Autos vorbei zum Drehort vom ersten Weimar-Tatort.

Das Foto mit Hendrik Zuerch ist aus der Drehpause. Wir sind verdeckte Ermittler als Tourist verkleidet und stärken uns vor dem Zugriff am Bratwurststand mitten in der ansonsten bratwurstfreien Zone vor dem Theater.

Einer von uns beobachtet über den Zeitungsrand den unter Mordverdacht stehenden Sohn der Frau Hoppe. Rechts im Bild im unauffällig beigen Mantel.

Ich habe als verdeckte Ermittlerin Dorn hinter meinem Stadtführer alles im Blick.

Eine brenzlige Situation: Kommissar Lessing begibt sich zum Bratwurststand

Der Umschlag mit den 38.200 Euro ist im Papierkorb. Das knutschende Pärchen in Position. Ich erwarte die Erpresserin, nur äusserlich entspannt, bereit für den Zugriff. Die Bevölkerung läuft ahnungslos durch das Szenario.

Die Studenten der Mediengestaltung an der Bauhaus-Uni erholen sich von der Actionszene bei alkoholfreiem Bier. Sie haben als Säufer von Daniels Junggesellenabschied den Kutschverkehr auf dem Theaterplatz gestört. Eine starke Besetzung und grossartige schauspielerische Leistung!

Das sind keine verdeckten Ermittler. Das wäre etwas überzogen unauffällig.

Da ist das Miststück. Ich könnte zugreifen, darf ich aber nicht als Komparsin.

Kommissarin Dorn wartet auf Lessing, er hat den Fahrstuhl nicht gefunden, den es ja auch garnicht gibt. Sie ist echt sauer, dass das Geld weg ist. Mit Babybauch konnte sie ja wirklich nicht hinterher rennen.

…nun aber nix wie hinterher, ohne Blaulicht.

Die Säufer, das knutschende Pärchen und die sechs Touristen am Ende des Drehtag.

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Nora Tschirner, Tatort Weimar

Tag 14 zu Hause – Nora Tschirner

Heidi Klum steht unter Schock. Das große Hallenfinale von GNTM ist abgesagt. Verstehe, ich stand auch kurz unter Schock, als mir Chefchen letzte Woche die Kündigung überreicht hat. Die Fans wissen, dass sie mit Ihrer Tochter in der Wohnung tanzt und davon Videos veröffentlicht und auch viele die es nicht wissen wollen. Wenn ich einfach mal meine e-mails lesen will, erfahre ich am Rande was sie und Oliver Pocher machen.

Aber was macht Nora Tschirner? Steht sie auch unter Schock, weil Dreharbeiten abgesagt wurden? War ein Preview vom nächsten Weimar-Tatort im Deutschen Nationaltheater geplant und wurde abgesagt? Das wäre verständlicherweise sehr traurig. Vielleicht springt sie trotzdem mit ihrer Tochter auf dem Sofa rum in ihrer Berliner Wohnung am Prenzlauer Berg. Leider habe ich dazu kein Video im Netz gefunden. Nur ein Video von ihrem Einweihungsbesuch bei Stefan Raab im Studio mit dem fahrenden Schreibtisch. Wann war das? Nora Tschirner sieht aus wie heute. Aber Stefan Raab ist so schlank. Das muss ein sehr altes Video sein. Ach, die Show gibt es seit 2015 nicht mehr. Ist mir garnicht aufgefallen. Ich hab sie so lange nicht vermisst.

Aber vielleicht ist sie ja auch in Weimar geblieben, nach dem letzten Tatortdreh. In Weimar können Promis noch frei herum laufen. Zumindest Thomas Thieme kann unbelästigt im tegut bei mir um die Ecke einkaufen und einen kleinen Smalltalk an der Kasse machen, grüßt auch zurück, wenn ich grüße. Obwohl er mich nicht kennt. Aber ich kenne ihn. Was soll ich machen? Ich will ihn nicht belästigen, aber wenn er nicht mit Sonnenbrille und Mütze rumläuft und sich nicht unkenntlich macht und mich anschaut, dann grüße ich, wie alle Leute, die ich kenne. Vielleicht bin ich auch schon oft an ihm vorbei gelaufen ohne ihn zu erkennen und zu grüßen. Aber ich habe noch nie große kräftige Männer mit Sonnenbrille und Mütze in Weimar gesehen.

In Berlin lief ich auch manchmal im Frühling bei Sonne und kalten Wind mit Mütze und Sonnenbrille mit -2,5 Dioptrien rum. Auf meinem Heimweg vom Grossraumbüro nähe Savignyplatz in meine kleine Wohnung am Ostkreuz bin ich auch mal kurz ins KaDeWe. Die Sonnenbrille hab ich nicht abgesetzt, damit ich was sehe. Ich habe mich gewundert, wie viele Leute mich angesehen und heimlich fotografiert haben. Dachten sie ich wäre Angelina Jolie? Oder Maren Kroymann?

Nora Tschirner kann jetzt vielleicht auch in Berlin gut durch die Strasse laufen und alle, die sie mit Lena verwechseln müssen 2 m Abstand halten.

Als ich mich als Komparse für den Tatort gemeldet habe, wäre ich auch gerne auf die hochschwangere Kira Dorn zugegangen und hätte mich gern vorgestellt: „Hallo ich bin Christine Dorn aus der Lessingstrasse, könnte Ihre Mutter sein, bin ich aber nicht. Als Schwiegertochter würde ich sie mir auch wünschen, aber das ist ja leider zu spät. Wer ist denn der Glückliche?“ Das hätte sie mir natürlich nicht verraten, zu Recht. Nicht einmal die Bildzeitung konnte berichten, wer der Vater ist und hat nur vermutet, daß sie ein Kind erwartet. Also wir in Weimar, wussten das alle. Nora Tschirner ist doch mit ihrem Dackel und Babybauch durch die Stadt gelaufen. Jeder hat gesehen, daß sie nicht nur ein bisschen schwanger ist und niemand hat ein Paparazzifoto geschossen und an die Bildzeitung verkauft.

Wie ich ein Jahr später durch erfolgreiche Verhörtaktiken beim grossen Preview von „Die fette Hoppe“ im DNT herausgefunden habe, ob das Geheimnis der „Fetten Dorn“ nun ein Mädchen oder ein Junge ist, das wird eine andere Geschichte.

Und wie Nora Tschirner das Selfie mit mir gemacht hat, wird noch eine Geschichte.

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Tatort Weimar

Tag 12 zu Hause – Tatort

Wie jeden Sonntag schalte ich um 20:15 Uhr auf ARD, der Tatort soll beginnen. Es wird noch über die Coronakrise berichtet. Die Bilder aus Indien sind schrecklich. Die Tochter meiner Nachbarin wartet dort auf einen Rückflug. Dramatische Berichte und Bilder aus Italien. Ich bekomme Schweissausbrüche. Was ist das? Fieber? Panikattacke? Ich gehe nochmal in den Garten. Die Titelmusik läuft. Der Tatort fängt schon an, ich gehe wieder rein.

Ein unbekannter Mann hat bereits Charlotte Lindholm überwältigt, sein Messer sitzt an ihrem Hals und er redet wirr von „Stimmen in seinem Kopf“ und dass jemand ihn jage. Die Situation eskaliert, Anaïs Schmitz muss sich im Bruchteil einer Sekunde entscheiden: Den Mann töten oder Charlottes Leben riskieren. Sie entscheidet sich. Ein Schuss fällt der unbekannte Mann bricht zusammen, Charlotte blutet am Hals….

…ich breche ab und werde den Fernseher für ein paar Stunden abschalten.

In normalen Zeiten hätte ich das nicht gemacht. Ich schaue jeden neuen Tatort in Echtzeit Sonntagabend 20:15 Uhr. In den letzten 10 Jahren habe ich damit das Wochenende beendet, danach habe ich noch ein paar Sachen gepackt und am nächsten Morgen begann ich eine neue Woche in Berlin.

Ja, ich freue mich auch über jeden Tatort mit den Ermittlern Kira Dorn und Lessing aus Weimar. Für den ersten Tatort in Weimar wurden noch Komparsen gesucht. Ich dachte, das ist doch was für Jonas, er suchte grad Arbeit. Ich habe auch schon die Agentur gefunden, wo ich ihn anmelden könnte. Aber er wollte nicht, man muss da so viel warten und bekommt sehr wenig Geld. Damals gab es noch nicht einmal Mindestlohn. Ich hatte zwar zu der Zeit einen Job in einem Architekturbüro, habe mich aber trotzdem angemeldet. Prompt kam ein Rollenangebot: Verdeckter Ermittler als Tourist verkleidet. Ich sagte zu. Erste Anweisungen: Bitte bringen Sie drei verschiedene Outfits mit, frühlingshafte Kleidung, nicht schwarz, nicht weiß nicht kleingemustert, keine grellen Farben, sowie typische Utensilien, wie Rucksack, Stadtplan, Fotoapparat. Drehort: Theaterplatz, Maske und Kostüm, Treffpunkt: 5 Uhr Hexenhaus in Hummelstrasse

Eigentlich will ich in anderen Städten garnicht als Tourist erkannt werden, habe keinen Stadtrucksack und stelle mich auch nicht mitten auf den Platz und falte einen Stadtplan auf. Aber ein Fotoapparat ist gut. Da kann ich auch während dem Dreh fotografieren. Den musste ich mir allerdings borgen, ich hatte nur mein iPhone. Ich packte meinen schönen blauen Mantel ein, stellte den Wecker auf halb 5, das reicht. Ich muss mir ja nicht die Haare stylen und mich schminken, das macht die Maskenbildnerin. Ich lief zum Treffpunkt. Es war Anfang April und die Scheiben an den Autos vereist. Nun begann das lange Warten und beobachten. Erst kam die Kostümbildnerin. Mein blauer Mantel, kleine Umhängetasche und Fotoapparat wurden akzeptiert. Dann kam die Maskenbildnerin, ich freute mich schon auf ein Hairstyling und Maske. Sie sah mich an und meinte, das könne man so lassen. Aber so kann ich doch nicht ins Fernsehen! Das sieht niemand. Die anderen „Verdeckten Ermittler“ und die „Säufer vom Junggesellenabschied“ blieben auch naturbelassen. Nur bei „Kevin vom knutschenden Pärchen auf der Bank“ wurde die Akne abgedeckt. Ein Regieassistent kam und gab nächste Anweisungen: „Wir gehen jetzt zum Set am Theaterplatz. Ziehen sie sich noch was Warmes über Ihr Kostüm und nehmen sich noch Ihr Essen und Trinken mit und was Sie sonst so brauchen, es könnte Wartezeiten geben.“ Ich zog meinen allerdicksten Wintermantel über und nahm die große Umhängetasche mit Strickzeug, Getränk und Essen mit. Die erste Szene wurde mit Christian Ulmen gedreht. Kamera war oben im Theatergebäude. Dort saß auch die Regie und gab Anweisungen über Funk an ihren Assistenten. Wir Komparsen versteckten uns hinter dem Sockel von Goethe und Schiller, sollten nicht im Bild sein. Klappe die erste: Christian Ulmen kam aus dem Theater lief lässig wie ein Cowboy über den Platz, eigentlich bratwurstfreie Zone, zum Bratwurststand und bestellte sich eine Wurst der Marke „Fette Hoppe“. Das wurde sechsmal gedreht. In der zweiten Szene sollten wir Ermittler wie Touristen auf dem Platz hin und her laufen und dabei ab und zu ganz unauffällig in den Kragen sprechen. Ein Komparse wurde mit einer Zeitung in auf die Terrasse vom „Venezia“ gesetzt. Ich legte mein Gepäck ab und wollte meinen dicken Steppmantel ausziehen. Einspruch vom Assistenten, ich müsse jetzt auch so bleiben. Ich entgegnete, dass ich doch noch garnicht im Bild war und mit der Kostümbildnerin der blaue Mantel abgestimmt ist. Rückfrage an die Regie. Anweisung von der Regie: Ich muss so bleiben. Also bin ich mit zwei Mänteln und zwei Taschen fotografierend hin und her gelaufen. Dominique Horwitz kam mit der Kutsche vorgefahren. Die „Trinker vom Junggesellenabschied“ feierten. Sie bekamen alkoholfreies Bier. In den nächsten Szenen kam eine Schauspielerin mit dem Fahrrad und versteckte Geld im Papierkorb. Zwischendurch kam die Regisseurin auch mal raus. Mit dem knutschenden Pärchen wurde auf der Bank eine Knutschszene gedreht. Das wurde ungefähr 10 Mal gedreht. Die Regisseurin verlangte mehr Aktion. Das Paar war auch im richtigen Leben ein Paar, sie mussten bei einem Casting vorknutschen und wurden aus vielen Bewerbern ausgewählt. Nora Tschirner war im Theater und schaukelte auf einem Schaukelpferd, ihre neuesten lustigen Bilder auf Facebook sahen wir uns in unserer Drehpause an. Dann kam die hochschwangere Kommissarin Dorn und setzte sich in die Kutsche. Kommissar Lessing kam mehrmals aus dem Theater gerannt. Als die Szene endlich im Kasten war, fuhr die Kutsche mit beiden ab.

Nach 5 Stunden war der Dreh vorbei. Die anderen Komparsen waren total durchgefroren in ihrer frühlingshaften Kleidung. Insbesondere Marcus der Jongleur, der immer an der gleichen Stelle stehen musste und bei jeder Klappe sein Bälle jonglierte. Ich traf mich mit Michael und setzte mich noch auf einen Kaffee an den Frauenplan. In der Seifengasse wurde eine Verfolgungsjagd gedreht. Die Kommissare verfolgten in der Kutsche ohne Blaulicht zwei BMX-Fahrer.

Das wird bestimmt ein komischer Tatort! Das wurde „Die fette Hoppe“ auch. Ich war 10 Sekunden im Bild. Marcus wurde zwar erwähnt, aber zu sehen war er nicht.

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