Allgemein, Deutschland

Jahrgang 1961

Hier ist noch der Link zur Reportage „60 Jahre Umschau“ über den Jahrgang 1961, gedreht mitten in der Pandemie fast ohne Bildern mit Maske, eine große Herausforderung. Aus 3 Stunden Drehmaterial wurden 10 Minuten ausgewählt. Was nicht gezeigt wurde, erzähle ich hier.

https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy84ODQ1NWQ5ZC0yNjI2LTQzOTQtYTg1Ny0yNTIzZDg1Y2Q1MWQ/

„Ich bin in dem Jahr geboren, als die Mauer gebaut wurde.“ weitere bedeutende Ereignisse waren der erste Mensch im Weltall, die Wahl von John F. Kennedy und die Ausstrahlung der ersten Umschau. Für eine Jubiläumssendung wurden Menschen aus dem mdr-Gebiet gesucht, die in dem Jahr geboren wurden. Irgendwie wurde ich gefunden und bekam einen Anruf mit ein paar Fragen zu meinem Leben.

Dann kam auch schon die Anfrage vom Regisseur und wir haben einen Termin vereinbart. Irgendwann im Februar kam Lutz Hoffmann nach Weimar und wir quatschten ein paar Stunden, ich zeigte Bilder und dann gingen wir auch noch zum Leonardo und ich erzählte die Story über die Planung des Interhotel und wie meine Kollegen des BMK Erfurt, Außenstelle Weimar den Auftrag ablehnten und den Bau verhindern wollte. Aber es gab den Befehl von oben das erste Interhotel in der DDR selbst im Deckenhubverfahren zu bauen. Ich hab dann 3 Jahre lang an dem Bereich Bankettsaal geplant, im Prinzip zum Glück für die Schublade. Die Idee von der Parteizentrale eine Glasscheibe in den Boden des Schwimmbeckens und somit über der Nachtbar wurde nach ein paar Machbarkeitsuntersuchungen dann doch als technisch zu aufwendig bewertet. Meine Chefin hatte sich schon vorgestellt, wie sie dann als Nixe für Westgeld abends ein paar Runden im Becken dreht.

Zur Wende war dann grad mal der Rohbau fertig. Der Ausbau wurde im Standard eines Hilton-Hotels realisiert. Ich war dann 1992 das erste Mal zu einer Bürgerversammlung im Bankettsaal als der Bau des Tennisleistungszentrum auf dem Gelände des EOW verhindert wurde.

In diesem Jahr sollte in einer Stadtratssitzung im Saal des heutigen Hotel Leonardo über den Verkauf des Geländes an das Planungsbüro Hartung+Ludwig abgestimmt werden. Ich war beim stillen Protest dabei. Die Stadtratsmitglieder liefen an uns und unseren Schildern vorbei. Danach ging ich schnell vor den Bildschirm zur Live-Übertragung. Diese Stadtratssitzung war für mich spannender als ein Fussballfinale mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Am Ende wurde durch eine Patt-Abstimmung der Verkauf verhindert.

Am 26.März wurde gedreht. Lutz kam mit Kamera und Ton sowie den Männern dahinter. Ich hielt auf dem Theaterplatz eine 5-Minutenrede zum EOW während des Klimastreik. Ein farbiges Outfit wurde gewünscht. Ich habe nur schwarze Wintermäntel. Von Katja habe ich mir den roten Anorak geborgt. War zwar nicht mein Stil, aber schön warm. Nach zwei Stunden war ich komplett durchgefroren, konnte den Mund kaum bewegen und war ganz blass. Als dann eine dunkle Wand kam, wurde rechtzeitig vor dem Schneetreiben abgebrochen. Die Klimastreikenden liefen unbeirrt weiter.

Im Hotel durfte nicht gedreht werden. Frühstück gab es auch nicht. Also haben wir bei mir gefrühstückt und erste Aufnahmen gemacht.

An dem Tag sollte eigentlich auch unser Mädelstreffen in Bayern sein. Das fiel aus. Wir überlegten wenigstens ein kleines Treffen in Gotha zu machen am Eingang der ehemaligen Anna-Seghers-Schule, wo dieses Foto entstand. Leider waren die Mädels kamerascheu und sagten letztendlich doch noch ab.

Vor dem Hauptgebäude der Uni erzählte ich die Geschichte von der Städtebauprüfung. Wir sollten einen Entwurf für eine Ringstraße um die Altstadt von Weimar planen und dabei bestimmte Verkehrsradien und Strassenbreiten einhalten. Dafür musste eine Trasse durch die Gründerzeitviertel gelegt werden, Gebäude theoretisch abgerissen und die Wunden durch Neubauten geschlossen werden. Die Aufgabe wurde von einigen nicht angenommen und sie verließen demonstrativ die Prüfung und bekamen eine 5 als Note. Die Geschichte kam auch nicht ins Fernsehen.

Aus den 3 Stunden Filmmaterial wurden 10 Minuten ausgewählt und im Prinzip mein Wohnungswechsel vom Altbau zum Neubau, Wohnungssanierung erzählt. Ich konnte die Sendung vor Ausstrahlung nicht sehen. „Jetzt wohnt Christine allein in einem Reihenhaus, ihr Sohn wohnt in einer anderen Stadt“. Das hätte ich doch lieber als Happyend formuliert. Ungefähr so: „Christine hat in einer Gemeinschaft von 26 Familien ihre ideal Wohnform gefunden.“ Bilder mit Maske wurden weitestgehend vermieden, dadurch kam ich auch nicht mit anderen Menschen ins Bild. So wirke ich nun etwas vereinsamt. Hätte Lutz doch etwas eindringlicher auf unsere Siedlung hinweisen sollen.

Happy end nach dem Dreh: Erfolgreiche Petition zur vollständigen Renaturierung der Industriebrache im Hochwassergebiet und kein Verkauf an den Investor…

…und ich fange im Dezember einen neuen Job an -happy start-

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